10.12.2009

ÖLI-UG unterstützt Protestnote der Vorarlberger KollegInnen für gemeinsame Schule!

Österreichische LehrerInneninitiative und Unabhängige GewerkschafterInnen (im Öffentlichen Dienst + Ausgegliederte) für Bildungsmilliarde und Schulreform für das Überwinden und gegen das fortgesetzte Nebeneinander von Hauptschule und AHS-Unterstufe

Eine mit zusätzlichen Bundesmitteln ausgestattete und in „nMS“ umbenannte Hauptschule oder eine „neue Mittelschule“ als dritter Schultyp neben Hauptschule und AHS-Unterstufe ändert nichts an der in Österreich vorherrschenden sozialen Selektion, am Verweigern von Lernchancen, die jeder und jedem Betroffenen, aber ebenso Gesellschaft und Volkswirtschaft vermeidbaren Schaden zufügt.

Die Vorarlberger LehrerInnen wollen nicht an Hauptschulen Gesamtschule spielen, sondern Gesamtschule leben – im Interesse ihrer SchülerInnen und der Gesellschaft, für die sie arbeiten. Die Vorarlberger Landesregierung sieht das anders. Sie kassiert neben den im Landesausgleich vom Bund finanzierten LehrerInnendienstposten pro nMS-Klasse zusätzliche 6 LehrerInnenstunden vom Bund, von denen zwei gar nicht bei den SchülerInnen ankommen, sondern in der Landesschulratshierarchie versickern.

Landesrat Mag. Siegmund Stemer hat Recht, wenn er gegen den LehrerInnen-Protest die derzeit vierfache Unmöglichkeit einer gemeinsamen Schule ins Treffen führt:
- Die verfassungsmäßige Zweigleisigkeit von Bundes- und Landeskompetenz, die AHS (Bund) und Hauptschule (Länder) auseinanderdividiert,
- die Zweigleisigkeit im Dienstrecht (1 Bundes- und 9 LandeslehrerInnenrechte),
- die Zweigleisigkeit einer „billigen“ 6-semestrige Ausbildung an Pädagogischen Hochschulen für LandeslehrerInnen und einer „teuren“ wenigstens 9-semstrigen Universitätsausbildung der BundeslehrerInnen samt der geringeren Bezahlung der PH-AbsolventInnen,
- die unzureichende Budgetierung des Bildungswesens, dem personelle und Schulraum-Ressourcen fehlen.

Was ÖVP-Stemer aber nicht sagt: Die ÖVP und die Mehrzahl der Landeshauptleute, die ihre Personalhoheit über die LandeslehrerInnen, Landesschul- und Bezirksschulräte machtbewusst verteidigen, verhindern seit Jahrzehnten die
Überwindung der Zweigleisigkeiten und des Zweiklassensystems der Schule, der LehrerInnen und der LehrerInnenausbildung.

„Die Zeit des Schönredens ist vorbei!“ Ab Jänner beginnen die politischen Verhandlungen zur Dienstrechts- und Schul-Verwaltungsreform, zur Neugestaltung der LehrerInnenausbildung und über das Bildungsbudget. Im Jänner beginnen auch die Dienstrechts-Verhandlungen des BMUKK mit den LehrerInnengewerkschaften. Im Jänner wird es ernsthafte Gespräche mit den Studierenden und den Lehrenden der Universitäten und Pädagogischen Hochschulen geben.

Die ÖLI-UG unterstützt die Protestnote der Vorarlberger KollegInnen.
Die ÖLI-UG unterstützt notwendige Reformschritte in Richtung
- gemeinsame Schule,
- gemeinsames Bundesdienstrecht für alle LehrerInnen,
- gemeinsame Universitätsausbildung (Masterstudien) und entsprechende Bezahlung für alle LehrerInnen und in pädagogischen Berufen Tätigen:
- Ausweitung des Bildungsbudgets
Keine Angst vor Reformen – Her mit der Bildungsmilliarde!

Glück auf!

Die Vertreter der ÖLI-UG in der ARGE LehrerInnen der GÖD:

Wilfried Mayr, APS - Reinhart Sellner, AHS - Josef Gary Fuchsbauer, BMHS
ÖLI-Vorsitzender - UGÖD-Vorsitzender - ÖLI-UG-Bundeskoordinator
mayr@oeli-ug.at - sellner@oeli-ug.at - fuchsbauer@oeli-ug.at
0 6 7 6 5 0 8 1 4 9 8 - 0 6 7 6 3 4 3 7 5 2 1 - 0 6 8 0 2 1 2 4 3 5 8

 

Anhang:
Protestnote der HS- und VMS-LehrerInnen:

Wir möchten hiermit unseren Unmut über die Vorgangsweise der uns übergeordneten Stellen im Rahmen des Entwicklungsprojekts „Vorarlberger Mittelschule“ kundtun.
Wir empfinden uns zunehmend als Marionetten, die in unregelmäßigen Abständen Vorgaben und Verordnungen umzusetzen haben, die für uns mit einer nachhaltigen Schulentwicklung wenig zu tun haben. Eher erinnert uns die Vorgangsweise an eine „Hauruck-Aktion“. Wir protestieren dagegen, dass mit an sich reformwilligen Pädagoginnen und Pädagogen unter dem Deckmantel Schulentwicklung in dieser Art umgesprungen wird. Wir fordern ein geplantes und vorausschauendes Vorgehen, das es uns tatsächlich möglich macht, gestärkt aus diesem Entwicklungsprozess hervorzugehen und das Vertrauen der Elternschaft in unsere Arbeit nicht zu verlieren. Vom Land Vorarlberg wünschen wir uns eine klare Stellungnahme zu folgenden Fragen:

- Ist das Ziel der Vorarlberger Mittelschule die gemeinsame Schule aller 10-
bis 14-Jährigen?
- Wenn ja, mit welchen Maßnahmen sollen Mittelschule und Gymnasium
zusammengeführt werden?
- In welchem Zeitrahmen soll das geschehen?

Der derzeitige Entwicklungsprozess der Vorarlberger Mittelschule ist nämlich in unseren Augen nicht zielführend in Richtung einer gemeinsamen Schule. Wir meinen, dass die Gymnasien viel zu wenig in den Prozess involviert sind.
Deshalb sehen wir eher eine Festschreibung des zweiteiligen Bildungssystems Haupt- bzw. Mittelschule – Gymnasium und die Gefahr, dass die Haupt- bzw. Mittelschulen geschwächt aus diesem Prozess hervorgehen.
In diesem Falle wäre mit dem Projekt Mittelschule auch die Idee der gemeinsamen Schule in Vorarlberg gescheitert – es steht viel auf dem Spiel, auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Initiatoren dieser Unterschriftenaktion

Erwin Oberhauser, Heinrich Mayer und Jürgen Dörler – alle VMS Altach

Kontakt: erwin.oberhauser@reflex.at

496 Unterschriften von 1.648 Lehrer/innen in HS bzw. VMS
Die Unterschriften wurden am 20.11.09 an LR Stemer übergeben.