Altes Gymnasium für die Kinder der besseren Leut' und neue Mittelschule für den Rest.

Österreichische LehrerInnen Initiative - Unabhängige GewerkschafterInnen für mehr Demokratie orten nur wenig Bewegung bei den Bildungsbetonmischern der ÖVP.

Wien (OTS) -    Auf den fünf Seiten des neuen ÖVP-Bildungsprogramms stehen wie gehabt soziale Selektion der Kinder im Volksschulalter, die Bewahrung des herkömmlichen Gymnasiums und als Innovation mittlere Reifeprüfungen nach der vierten Klasse der in neue Mittelschule umbenannten Hauptschule. Die Ausweitung des Schulversuchs neue Mittelschule ist die einzige Bewegung, weil sie das Abgehen vom Bestemm auf die 10% Klausel bei nMS-Schulversuchen bedeutet, mit einer individuell fördernden und sozial integrativen ganztägigen Gesamtschule hat die ÖVP nach wie vor nichts am Hut. Von der Umbenennung versprechen sich ÖVP-Landeshauptleute mehr Bundesgeld für mehr LandeslehrerInnendienstposten samt Landesverwaltungsposten für von Land zu Land wechselnde Modelle. Für die HauptschülerInnen und ihre LehrerInnen dürfen die Arbeitsbedingungen je nach Landesmodell schon besser werden, wenn nur an der Langform der AHS nicht gerüttelt wird. Und da hat die ÖVP bereits einen auf Tüchtigsein und Auslese versessenen Mitstreiter gefunden: FPÖ-Strache profiliert sich bereits als Verteidiger des abendländischen Gymnasiums und Abwehrkämpfer gegen jede Art Gesamtschule.

Zwt.: Die ÖVP dreht sich rückwärts um sich selbst

In der ÖVP-Zustimmung zur Ausweitung der Schulversuche und in der vom Finanzminister und ÖVP-Parteichef in Aussicht gestellten Ausweitung des Bildungsbudgets zu ihrer Finanzierung sieht die ÖLI-UG einen Bewegungsansatz, allerdings will sich die ÖVP nur rückwärts um sich selber drehen. Neue Landes-Mittelschulen ändern nichts am Selektionsdruck, der Volksschulkindern und ihren LehrerInnen zugemutet wird, nichts am fragmentiert-zerspragelten Hauptschul-AHS-Unterstufensystem, nichts am Versickern von Bundesmitteln in einem von Landespartei-Interessen dominierten Pflichtschulbereich. Allerdings bietet der Ausweitungs-Passus im ÖVP-Bildungsprogramm der SPÖ-Bildungsministerin und den schulreformorientierten Abgeordneten die Chance, die zusätzlichen Budgetmittel an bundeseinheitliche pädagogische Standards zu binden, zu denen die Zusammenarbeit jedes Hauptschulstandortes mit einem AHS- bzw. BMHS-Standort ebenso gehört wie die Öffnung des Schulversuchs
für alle AHS - und hier hätte die AHS-fcg.GÖD ihre Chance, ihre Schulversuchsboykotterie zu überdenken und dafür einzutreten, dass auch die AHS-Unterstufe zu zusätzlichen Ressourcen für Individualisierung und Förderung kommt -  und zu Kooperation und Austausch mit APS-KollegInnen.

Zwt.: Für einen attraktiven LehrerInnenberuf

Dass es in den nächsten Jahren einen LehrerInnenmangel geben wird, sehen auch die Unabhängigen GewerkschafterInnen als Problem, aber anders als der neue AHS-Vorsitzende Eckehard Quin, fcg.GÖD, nicht als Killer-Argument gegen notwendige Schulreformen. Ressourcenzuwachs jetzt! Ähnlich sehen das übrigens auch die InitiatorInnen des Bildungsvolksbegehrens. Die parteiunabhängige ÖLI-UG versucht nicht erst seit dem PV-Wahljahr 2009 mit der Losung „Keine Angst vor Reformen, her mit den Bildungsmilliarden!“die Freude am Lehrberuf und die Idee einer anderen, menschenfreundlicheren Schule zu leben. Die Studierendenzahlen an PHs und Unis steigen, ein verbessertes Schulsystem mit besseren Lern- und Arbeitsbedingungen, dazu eine verbesserte und universitäre LehrerInnenbildung befördern die Attraktivität des Lehrberufes und seine soziale Anerkennung. Verstärkter Selektionsdruck, Schulangst und soziale Diskriminierung, ohne die sich Strache und der Retro-Flügel der ÖVP Schule nicht vorstellen können, bewirken das Gegenteil. 

Die ÖVP bewegt sich - sie dreht sich mit ihrem Bildungsprogramm rückwärts im Kreis. Immerhin. Der großkoalitionäre Jubel darüber ist unangebracht. Aber wenn vor langem erstarrter Beton ins Drehen kommt, ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis er zerfällt.

Reinhart Sellner, Ingrid Kalchmair (AHS),
Gabriele Bogdan, Wilfried Mayr (APS)
Katharina Bachmann, Gary Fuchsbauer (BMHS)

Die ÖLI ist eine parteiunabhängige Berufsvereinigung von LehrerInnen, die sich in Personalvertretung und Gewerkschaft, in ihrer Zeitung "Kreidekreis" und in Veranstaltungen für die beruflichen Interessen der LehrerInnen einsetzt. Nach den letzten Personalvertretungswahlergebnissen repräsentiert die ÖLI 15% der LehrerInnen (von 10% bei den LandeslehrerInnen bis 26% bei den BMHS-LehrerInnen).

Rückfragehinweis:
   Josef Fuchsbauer: fuchsbauer@oeli-ug.at,Tel: 0680/2124358,
   Wilfried Mayr: mayr@oeli-ug.at, Tel: 0676/5081498,
   Reinhart Sellner: sellner@oeli-ug.at, Tel: 0676/3437521,
   Internet: www.oeli-ug.at,

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OTS0065    2011-01-21/10:31
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