GEDICHT März 2014

SCHNELLZUG

Auf dieser Lebensbahn
rattert es drauf und dran
in schnellem Zug.
Und meine Melodie
macht es, ich weiß nicht wie,
zu einem Trug.

Draußen das liebe Land,
das noch nicht stille stand,
wie es sich dreht!
Alles bleibt mir versäumt,
alles bleibt ungeträumt,
alles vergeht.

Man wird vom Schauen stumpf,
hier drin die Luft ist dumpf,
draußen ist's schön.
Dann wird die Zeit mir lang,
dann wird mir wieder bang
vor dem Vergehn.

Welch eine Menschennot
schlägt sich die Zeit hier tot
auf ihre Art.
Hier drin ist nichts wie Schmutz,
und ich bin voller Trutz.
Welch eine Fahrt!

Doch was auch quält und närrt,
ich bleibe eingesperrt
bis an das End'.
Wollte mich gern befrein,
wollte die Landschaft sein,
die rückwärts rennt!

Karl Kraus

– spricht Leuten, die lange Zug fahren müssen immer wieder, voll aus der Seele. Verstummte publizistisch für die Öffentlichkeit durch die Zeit des Ersten Weltkrieges, daher finde ich, dass er mehr als andere im Gedenken seinen Platz braucht – Die Fackel ist nach wie vor eine erstrangige Quelle für die Forschung im Kulturbereich der Jahrhundertwende.