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Mit 12 Stunden pro Tag zu Herzinfarkt und Schlaganfall?

Längere Arbeitszeiten, aber auch Teilzeit begünstigen das Risiko für Vorhofflimmern, das zu Schlaganfällen führt.  Grafik: UGÖD, Quelle: Dr. M. Tiefenthaler
Längere Arbeitszeiten, aber auch Teilzeit begünstigen das Risiko für Vorhofflimmern, das zu Schlaganfällen führt. Grafik: UGÖD, Quelle: Dr. M. Tiefenthaler

von

ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler

Vorsitzender der Universitäten-Gewerkschaft der Hochschullehrer/innen

Bundesvertretung 13

 

Regierung: Alles für die Industrie

 

Die neue Regierung hat, wie erwartet, nach den Landtagswahlen für ihre Sponsoren des Wahlkampfes aus Wirtschaft und Industriellenvereinigung begonnen, die angekündigten wirtschaftsfreundlichen Reformen umzusetzen, und das betrifft auch die Tagesarbeitszeit.

 

Dass der kleine Regierungspartner zumindest lauwarme Füße bekommt, könnte weniger der wissenschaftlichen Faktenlage und mehr der Proteste aus dem eigenen Klientel zugeschrieben werden.

 

Gesetz gegen Sozialpartnerschaft

 

Dass dieses Gesetz unabhängig von sozialpartnerschaftlichen Verhandlungsvereinbarungen wider bessere Faktenlage durchgepeitscht werden soll entspricht unseren bisherigen Erfahrungen (siehe Nichtraucherschutz an Arbeitsstätten inkl. der Gastronomie).

 


Aktuelle UGÖD-Kampagne

12h Arbeit pro Tag sind zuviel!

Wissenschaftlich belegt: Längere Arbeitszeit = mehr Erkrankungen

 

In großen epidemiologischen Studien mit über 600.000 gesunden Personen wurde belegt, dass bei der Gruppe mit Arbeitszeiten über 55 Stunden pro Woche bzw. über 10-12 Stunden pro Tag das Schlaganfallrisiko um 33 % und das Herzinfarktrisiko um 13 % im Vergleich zu ArbeitnehmerInnen mit bis zu 40 Stunden pro Woche erhöht ist.

 

Rezent wurde für die Gruppe mit mehr als 55 Stunden Arbeitszeit pro Woche in einer Metaanalyse ein 40% höheres Risiko innerhalb von 10 Jahren für Vorhofflimmern festgestellt. Vorhofflimmern ist eine Rhythmusstörung, die häufig zu schweren (embolischen) Schlaganfällen führt. Dieser Effekt besteht auch, wenn Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, schweres Übergewicht und Bluthochdruck berücksichtigt werden.

 

Arbeitgeber riskieren wissentlich Erkrankungsrisiko

 

Aufgrund dieser Fakten ist klar und evident, dass jeder Arbeitgeber wissentlich und billigend in Kauf nimmt, das Erkrankungsrisiko seiner Mitarbeiter/innen zu erhöhen, wenn er 12 Stunden Arbeit pro Tag oder 60 Stunden pro Wochen einfordert.

 


Film: 30h-Arbeitswoche für alle?

Wir finden, 30h Arbeit pro Woche ist genug.

UGÖD: Mehr Freizeit oder 30h-Woche

 

Aufgrund der Einwände des kleinen Regierungspartners soll ein betriebliches Mitbestimmungsrecht in Bezug auf die Einrichtung von 12 Stunden Tagen in Betriebsvereinbarungen eingeräumt werden. Die Personalvertretungen und die Betriebsräte/innen sind daher aufgefordert, die beschriebene Faktenlage zu berücksichtigen. Wenn Gesundheitsrisiken mit Betriebserlösen gegenzurechnen sind, ist eine restriktive Handhabe der 12 Stunden Arbeitszeiten abhängig von extremen betrieblichen Alternativen (Betriebsschließung und Verlust des Arbeitsplatzes) anzustreben. Allenfalls sollte auch ein 2:1 Zeitausgleich innerhalb von 10 Tagen ohne Lohnverlust verhandelt werden, wenn schon 12 Stunden Tage zu Produktivitätssteigerung eingeführt werden sollen. Dieser Zeitausgleich ist aus medizinischer Sicht notwendig, um durch das entsprechende Freizeitangebot die Gesundheitsförderung durch Grundlagenausdauersport und die Erholung der Arbeitnehmer/innen zu ermöglichen.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Tiefenthaler

Vorsitzender der Universitäten-Gewerkschaft der Hochschullehrer/innen

Bundesvertretung 13