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Chancengleichheit

Abgenutztes Schlagwort oder legitime Forderung?

WICHTIGE INFO:
Von Juni 2022 bis September 2023 wird die UGÖD jedes Monat dazu einen Newsletter herausgeben und ein Online-UGöD-Cafe veranstalten.

Eine farbige und eine hellhäutige Hand berühren einander

Tägliche Herausforderung für uns alle

 

Die Forderungen nach Chancengleichheit und nach Diskriminierungsverboten werden meist in verbrieften Grund- und Freiheitsrechten, sowie im Rahmen wohlfahrtsstaatlicher, sozialer Gesetzgebung wahrgenommen und stellen im europäischen Raum meist reflexartig einen Konnex zur Bildungspolitik her. Letztendlich strahlt das ursprünglich im Liberalismus angesiedelte Ziel der Chancengleichheit in praktisch alle Bereiche der Forderung nach gerechtem Zugang zu gesellschaftsrelevanten Ressourcen aus. Wir haben uns in der UGÖD dem Thema in monatelangen Analysen bis in viele Details ohne Anspruch auf Vollständigkeit angenähert und haben dabei Schwerpunkte herausgearbeitet, die in unterschiedlicher Intensität Bezüge zum aktuellen politischen Geschehen aufweisen. Die Verankerung von Chancengleichheit ist ein schillerndes Beispiel für eine Querschnittsmaterie, die den Gesetzgeber, die Vollziehung auf allen ihren Ebenen und die bzw. den einzelnen enorm herausfordern und zur kritischen Reflexion einlädt.

 


Situation seit COVID verschlechtert

 

Drastisch und unerwartet hat sich der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Chancengleichheit mit dem Beginn der Pandemie weltweit manifestiert. Im ersten Halbjahr 2020 war die Chance an Covid-19 zu erkranken für alle Menschen auf der ganzen Welt praktisch gleich groß. Mit jedem Schritt des medizinischen Fortschritts war es mit der Chancengleichheit sukzessive vorbei, weil keine Form von Gleichberechtigung beim Zugang von medizinischer Versorgung und Impfstoff existierte. Das ging so gleichmäßig verteilt über alle Ethnien, Wirtschaftsräume, Dritte-Welt- und Wohlstandsgesellschaften hinweg, bis schließlich die schon aus der Vergangenheit bekannte Teilung der Weltordnung in reich und arm an den Statistiken der Erkrankungs- und Todesfälle klar sichtbar wurde. Solidarität? Empathie? Gesamtgesellschaftliche Teilhabe? Gemeinwohl? Sozialer Ausgleich? Impulse zur Unterstützung von ärztlichem und Betreuungspersonal? Nun, wir haben ja gesehen, wie es lief. Allein der letzte erwähnte Punkt, der am 12.5.2022 mit zweijähriger Verspätung in Österreich mittels einer zweijährig befristeten Pflegereform „aufgefangen" werden soll, zeigt, dass die als „systemrelevant" erkannte Versorgung selbst nach unangemessen langer Nachdenkpause wieder einmal dem Zankapfel „Föderalismus" untergeordnet wird. Fazit: Systemrelevante Arbeit darf niemals auf die Seite der „Gewinner" zu liegen kommen. Das, obwohl immer noch „der Hut brennt". Fairerweise soll nicht unerwähnt bleiben, dass mit Ausbildungsfonds, Pflegestipendium, Kompetenzerweiterungen, etc. auf dem Gebiet der Ausbildung in der Pflege Anreize für den Berufsstand geschaffen werden – flankierende Maßnahmen der Erleichterung bei der Zuwanderung und Erleichterungen für ausländische Pflegekräfte inklusive. In der Not wachsen nationale und internationale Interessen sogar zusammen!

 

Die Chance auf Bildung

 

Mit dem Stichwort „Ausbildung" lässt sich gut die Brücke zum Dauerbrenner des Themas Chancengleichheit bauen: Die Chancengleichheit für Schüler:innen. Die Bestandsaufnahme sieht düster aus. Die gemeinsame Schule bleibt im Zustand der Dämonisierung, keine Chance auf vorurteilsfreie, sachliche Diskussion. Schüler:innen vermissen schmerzlich einen Ausgleich ihrer Nachteile im Falle von fehlenden Ressourcen und bei den Deutsch-Förderklassen stellt sich verstärkt die Frage, inwieweit diese eher zur Ausgrenzung als zur Integration beitragen. Das neue Lehrer:innendienstrecht bringt zwar mehr Arbeitsaufwand, aber weniger professionelle Unterstützung in Krisensituationen. Das Ansteckungsrisiko bei Covid-19 war und ist bei Pädagog:innen unverhältnismäßig hoch. Zu allem Überdruss dürfte die Kompetenzübertragung von Stellenbesetzungen auf die Schuldirektionen kein Beitrag zur Objektivierung sein; Chancengleichheit für Bewerber:innen müsste anders aussehen. An den Universitäten treibt die Verwirtschaftlichung Blüten der Monokulturen. Bei den Zulassungsprüfungen werden aus den allerbesten Kandidat:innen die angeblich wahrlich exzellenten ausgesiebt, um sodann budgetgerecht im Eilverfahren via Studienplatzfinanzierung ihren jeweiligen Abschlüssen zugeführt zu werden. Kann man von Gerechtigkeit sprechen, wenn möglichst wenige eine Chance haben? Die UGÖD nimmt für sich in Anspruch, ein anderes Konzept von Gerechtigkeit entwickelt zu haben und plädiert dafür, dass Neigungen und Begabungen erkannt und gefördert werden, während soziale, vorurteilsbehaftete Zuordnung diesen Weg der Erkenntnis nicht befeuert, sondern behindert. Auf der Ebene von Entscheidungsträger:innen zählt leider allzu oft, was „für mich und die meinen am besten" ist, eine Haltung die kontraproduktiv im Wege steht, wenn man Arbeitnehmer:innen faire Bedingungen, angemessene Karrieremöglichkeiten und eine soziale Grundbedingung, die der Sorge um den eigenen täglichen Unterhalt und den der Familie Rechnung trägt, zugestehen will.

 


Frauen und Inklusion: Wo bleibt der Fairness-Schub?

 

In diesem Zusammenhang muss dem Thema Inklusion unbedingt angemessener Raum gewidmet werden. Es bedarf weiterer intensiver Maßnahmen, um die Integration von Menschen mit Behinderungen zu fördern und Anreize für Arbeitgeber:innen zu schaffen, solche Menschen einzustellen. Die sogenannten Ausgleichtaxen sind viel zu gering angesetzt, um zu verhindern, dass sich Unternehmen von dieser gesellschaftlichen Verpflichtung billig freikaufen können. Es fehlen Informationskampagnen, welche die Fördermöglichkeiten in die Betriebe bringen und gleichzeitig das Bewusstsein dafür schärfen müssten, dass es um arbeitswillige, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter:innen geht, denen die selbe Wertschätzung entgegenzubringen ist, wie den übrigen Beschäftigten. Chancengleichheit, genau!

 

Wer glaubt, dass die Entwicklung von Frauenrechten und vor allem deren Umsetzung die Nähe des Plafonds erreicht hat, wird angesichts eines auch nur flüchtigen Blicks auf den Frauenanteil in den Führungsetagen rasch eines Besseren belehrt, und vom Gender-Pay-Gap lassen wir uns am besten nur peinlich berühren. Falls sich da etwas bewegt, dann höchstens „doch". Die Palette der Fehlentwicklungen reicht vom Ignorieren, Schönreden, Leugnen bis hin zum Überschießen, etwa wenn die Diskriminierung verlagert oder umgekehrt wird. Als gewerkschaftliche Bewegung ist uns die Verteidigung der Rechte aller Geschlechtergruppen ein elementares Anliegen, wobei das Hauptaugenmerk auf Tatbestände der Diskriminierung im Zuge von Auswahlverfahren und im Berufsleben selbst – Stichwort Mobbing – gerichtet sein muss. Die Mühlen zur Herstellung von Chancengleichheit und -gerechtigkeit mahlen hier besonders langsam.

 

Klimaschutz für lebenswerte Zukunft

 

Welche Chancen haben die uns nachfolgenden Generationen? Das hängt von unserem Umgang mit der Klimakrise ab, also davon, wie wir mit unserer Natur und insbesondere auch mit der Tierwelt umgehen. Für Arbeitnehmer:innen gäbe es eine Reihe von Möglichkeiten mitzuhelfen, den menschlichen CO2-Abdruck zu reduzieren. Beschränken wir uns thematisch auf diesen Bereich und halten wir fest, dass allein die Wahl des Verkehrsmittels von und zur Arbeit eine nachhaltige Entscheidung zur Reduktion des Schadstoffausstoßes darstellen würde, wenn, ja wenn diese Maßnahme unterstützt, gefördert und vom erforderlichen Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes begleitet würde. Die UGÖD steht für eine Wende in die richtige Richtung mit der erforderlichen hohen Geschwindigkeit.

 

Die UGÖD trägt die Unabhängigkeit in ihrem Namen. Diese Unabhängigkeit ist für alle Zielerreichungsstrategien gegen Diskriminierung und für Gerechtigkeit unabdingbar.

 

Die UGÖD steht nicht im Einflussbereich von einer oder mehreren politischen Parteien.

 

Die UGÖD unterliegt nicht dem Einfluss bestimmter Medien und dient sich diesen nicht an.

 

Die UGÖD geht unabhängig ihren Weg zugunsten eines freien Lebens aller, ohne Fremdbestimmung und im Bewusstsein verantwortungsvoller, gesamtgesellschaftlicher Teilhabe.

 



UGÖD-Pressesprecher Stefan Schön
UGÖD-Pressesprecher Stefan Schön

Stefan Schön

UGÖD-Pressesprecher
Pressesprecher des ULV Österreich  (UniversitätslehrerInnenverbandes),
Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche und künstlerische Universitätspersonal,

Stv. Vorsitzender der Universitätsgewerkschaft, wissenschaftliches und künstlerisches Personal der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD)

 

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